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Kurzbiografie Ernst Kohlmann

Ernst Kohlmann wurde am 1. Juni 1926 in Wesel geboren. Der Vater Martin Kohlmann hatte mehrere Jahre als Farmer in Südafrika gearbeitet und in den 1920er Jahren in Wesel ein Textilgeschäft eröffnet. Die Mutter Frieda Kohlmann, geborene Marx, stammte aus Siegburg. Ernst Kohlmann besuchte die Volksschule in Wesel und nach dem Umzug der Familie nach Köln 1934 die Städtische Israelitische Volksschule in der Lützowstraße, bevor er auf das Jüdische Realgymnasium Jawne wechselte.

Am 18. Januar 1939 kam er mit dem ersten Jawnetransport unter Leitung des Bonner Rabbiners und Jawnelehrers Dr. Rudolf Seligsohn nach England. Mit einigen Klassenkameraden aus der Quarta, darunter Kurt Marx, Julius Weil, Fritz Penas und Hans Walter, lebte er zunächst im Jawne-Hostel in der Minster Road 1 im Londoner Stadtteil Cricklewood. Die orthodoxe Erziehung, um die sich Rabbiner Seligsohn als Hausleiter bemühte, war Ernst, der aus einem liberal jüdischen Elternhaus kam, fremd. Einige Tage vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde das Hostel aufgelöst und die Kinder auf Gastfamilien außerhalb Londons verteilt. Ernst Kohlmann lebte nun bei verschiedenen nichtjüdischen Gasteltern in Bedford.

Die Eltern Martin und Frieda Kohlmann wurden am 4. Dezember 1941 aus Köln deportiert und im Juli 1944 in Riga ermordet. Ernsts ältere Schwester Margrit Kohlmann (*3.3.1924) überlebte die Deportation nach Riga und weitere Konzentrationslager. Kurz vor Kriegsende wurde sie mit anderen Häftlingen des KZ Stutthof mit einem Schiff auf die Ostsee getrieben. Mit den wenigen Überlebenden dieser Todesfahrt wurde Margrit Kohlmann von der britischen Armee in Neustadt, Schleswig-Holstein, befreit. Sie heiratete Heinz Behrmann und lebte eine Zeit lang im Hunsrück, bevor sie mit ihrem Mann nach Chicago auswanderte.

Ernst Kohlmann musste im Alter von 14 Jahren die Schule in Bedford verlassen und konnte seinen Wunsch, eine Kunstakademie zu besuchen, nicht verwirklichen. Schließlich fand er eine Lehrstelle als Maler und Dekorateur. Er anglisierte seinen Namen und war von 1942 bis 1945 Mitglied des Air Training Corps der R.A.F. Am 8. Mai 1945 flog er im Tiefflug über sein früheres Elternhaus.
1946/47 war er für die US-Armee in Deutschland tätig und lernte dort seine Frau Eva kennen, die ebenfalls mit einem Kindertransport nach England gerettet worden war. 1947 nahm Ernest Kolman die britische Staatsangehörigkeit an. Er machte sich mit einer Handwerkerfirma selbstständig und bekam mit seiner Frau zwei Kinder. Nach dem Schulabschluss der Kinder holte Ernest Kolman an einer Abendschule das Abitur nach, das er als Jugendlicher nicht hatte machen dürfen. Seit 1988 besucht er regelmäßig die Gedenkfeiern zum 9. November in seiner Heimatstadt Wesel und spricht dort in Schulen über seine Geschichte.

Ernest Kolman lebte zuletzt (2016) im Westen von London und hat fünf Enkelkinder, die alle in den USA leben. Im Juni 2016 wurde er Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Wesel. 

Er starb am 11. Januar 2021 im Alter von 94 Jahren in London.

Mit freundlicher Unterstützung von
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