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Meldung

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Haus- und Straßensammlung für die Kriegsgräberfürsorge

Schirmherr Ministerpräsident Hendrik Wüst ruft zu Spenden auf

Essen. Vom 15. Oktober bis zum 30. November 2025 bittet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. die Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen um Spenden für den Erhalt der Kriegsgräber beider Weltkriege und die historisch-politische Bildungsarbeit des Volkbundes.

In Fußgängerzonen, an Haustüren, bei Veranstaltungen und auf Friedhöfen sammeln ehrenamtliche Sammlerinnen und Sammler der Bundeswehr und des Reservistenverbandes, der Freiwilligen Feuerwehren, des THW, der Schützenvereine, aus Schulen, Verwaltungen und Bezirksregierungen sowie engagierte Einzelpersonen für den gemeinnützigen Verein. Die Helferinnen und Helfer können sich mit einem für diesen Zweck ausgestellten Dokument ausweisen. 

Als Schirmherr des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen unterstützt Ministerpräsident Hendrik Wüst  mit einem Aufruf das Anliegen des Volksbundes: „Je länger beide Weltkriege zurückliegen, desto wichtiger wird es, an seine Ursachen und Folgen zu erinnern, wie sie auch durch Kriegsgräberstätten sichtbar werden. Sie geben Anlass zu Gesprächen und für aktive Erinnerungsarbeit. All das macht den Wert von Frieden, Freiheit und europäischer Verständigung bewusster und stärkt das demokratische Bewusstsein.“

Der Vorsitzende des Landesverbandes NRW, der Landtagsabgeordnete und Staatsminister a.D. Thomas Kutschaty, schließt sich diesem Aufruf an: „80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs machen uns die Bilder aus der Ukraine auf erschreckende Weise deutlich, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist. Der Volksbund setzt sich in seinen Jugendprojekten für Frieden, Verständigung und Demokratie ein. Dafür bitten wir die Bürgerinnen und Bürger um eine Spende.“

Weitere Informationen zur Volksbund-Arbeit in Nordrhein-Westfalen finden Sie in unserem Info-Faltblatt

Für weitere Ausküfte zur Sammlung in den Kreisverbänden stehen Ihnen unsere Geschäftsstellen zur Verfügung:

Landesgeschäftsstelle Essen
Alfredstr. 213
45131 Essen
Tel. 0201/ 84237-0
nrw@volksbund.de

Regionalgeschäftsstelle Köln
Luxemburger Str. 
50674 Köln
Tel 0221 / 2577169
rg-rheinland@volksbund.de

Regionalgeschäftsstelle Münster
Bült 2
48143 Münster
Tel. 0251 / 56834
westfalen-lippe@volksbund.de 

Sammlungskonto:

Commerzbank AG Essen 
IBAN DE83 3604 0039 0132 5000 00 
BIC COBADEFXXX 

Verwendungszweck: „Sammlung Kriegsgräberfürsorge“

 

Hintergrund:

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. pflegt im Auftrag der Bundesregierung mehr als 2,8 Millionen Gräber beider Weltkriege auf über 800 Friedhöfen in 45 Staaten Europas und Nordafrikas. Auch heute noch sucht der Volksbund gezielt in Osteuropa nach deutschen Kriegstoten des Zweiten Weltkrieges und findet jährlich ca. 10.000 vermisste deutsche Kriegstote.  

Mit dem Ziel der internationalen Verständigung führt er zahlreiche internationale Jugend- und Schulprojekte in ganz Europa durch. Die drei eigenen Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten und die Bildungsarbeit im In- und Ausland erreichten 2024 fast 40.000 Menschen. In der öffentlich zugänglichen Datenbank „Gräbersuche online“ stellt der Volksbund mehr als 5 Millionen Einträge zur Recherche zur Verfügung. 

Ein Land voller Massengräber und kaum jemand, der noch einen Kaddisch sagen kann: Auf den Spuren der Shoah in Lettland

Im September 2024 unternahmen Mitarbeitende der Gedenkstätten sowie Mitglieder des Gedenkstättenvereins und MultiplikatorInnen aus dem Osnabrücker Raum und Berlin vom 26. August bis 1. September 2024 eine Reise nach Litauen und Lettland zu Orten der Shoah im Baltikum. Die Reise erfolgte im Rahmen der Ausstellung "Der Tod ist ständig unter uns. Die Deportationen nach Riga und der Holocaust im deutsch besetzten Lettland", die vom 7. April bis 1. September 2024 in der Gedenkstätte Augustaschacht zu sehen war. Die Autorin war eingeladen worden, an dieser Reise teilzunehmen. Sie stellt uns ihren Bericht für diese Veröffentlichung kostenfrei zur Verfügung.

Am 13. Dezember 1941 wurden 35 Osnabrückerinnen und Osnabrücker gezwungen, in einen Zug zu steigen, der sie in mehrtägiger Fahrt nach Riga in Lettland brachte. Sie selber kannten das Ziel nicht. Ihren Besitz mussten sie zurücklassen. Fünfzig Kilo an Gepäck waren alles, was sie mitnehmen durften, und auch wurde ihnen bei der Ankunft weggenommen, als sie mit Eisenstangen aus dem Zug in die eisige Kälte von minus 30 bis 40 Grad geprügelt wurden. Kleine Kinder und alle, die den weiten Weg in das Ghetto nicht schafften, wurden gleich ermordet. „Keiner von uns hat geglaubt, dass so viel Sadismus möglich war“ – dieser Satz stammt von Ewald Aul, einem der fünf Osnabrücker Überlebenden dieser Deportation, später langjähriger Vorsitzender der Jüdischen Nachkriegsgemeinde in Osnabrück.

Diese Reise war nicht leicht, manche Eindrücke nur schwer zu verkraften Es war eine Reise auf den Spuren von Massenmorden, die auch emotional belastete, und dennoch eine Reise mit vielen wertvollen Begegnungen mit Menschen, die sich dafür engagieren, die Menschen, die diesen Morden zum Opfer fielen, der Vergessenheit zu entreißen, wo das noch möglich ist, und ihnen dadurch ihre Würde zurückzugeben. Unter diesen Ermordeten, für die niemand das Kaddisch, das jüdische Totengebet, sprach, sind 30 Osnabrückerinnen und Osnabrücker. Drei davon, die Geschwister Edith, Carl und Ruth-Hanna Stern, waren noch kleine Kinder.

Am 31. Juli 1941 wurde der Leiter des Reichssicherheitshauptamts, Reinhard Heydrich, von Reichswirtschaftsminister Hermann Göring mit der Vorbereitung der Endlösung der Judenfrage beauftragt, der systematischen Ermordung aller europäischen Juden. Im Oktober 1941 ordnete Hitler die Deportation der jüdischen Bürgerinnen und Bürger aus dem Reichsgebiet an. Sie wurden in Transporten von je 1.000 Personen in die Ghettos Lodz in Polen, und Minsk in Belarus, Kaunas und Vilnius in Litauen und das lettische Riga gebracht.

In den Ländern der ehemaligen Sowjetunion wurde der Holocaust über Jahrzehnte verdrängt und tabuisiert. Neue Verbrechen durch das stalinistische Regime überlagerten die Erinnerung an die deutsche Besatzung und die Verfolgung von jüdischen Menschen und anderen Bevölkerungsgruppen. Für die Sowjetunion gab es keine jüdischen Opfer und damit auch keinen Holocaust. Die Ermordeten waren alle Sowjetbürgerinnen und -bürger. Es ging um Heldengedenken, alle Toten galten gleichermaßen als „Opfer des Faschismus“. Die Erinnerung an die massive Beteiligung der einheimischen Bevölkerung an den Morden wird den Litauern und Letten auch heute kaum zugemutet.