Volksbund Logo Desktop Volksbund Logo Mobil

Meldung

Meldung

Positives Fazit der Spendensammlungen in Dorsten

Rund 2.400 Euro für die vielfältige Arbeit des Volksbundes

Dorsten. In der Stadt Dorsten (Kreis Recklinghausen) sind ganz unterschiedliche Akteure und Gruppen für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. aktiv. Der Bürgermeister der Stadt, Tobias Stockhoff, zieht eine positive Bilanz:

„Ein stolzes Gesamtergebnis von mehr als 2.400 Euro ist in Dorsten im Rahmen der letzten Sammlungen für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und für das Riga-Komitee zusammengekommen, dem die Stadt Dorsten im Sommer 2021 nach entsprechendem Ratsbeschluss beigetreten ist."

Für den Volksbund kamen die Spenden im November durch die Prominentensammlung in der Altstadt, die zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Wulfen sowie die Sondersammlung des Vereins für Orts- und Heimatkunde Dorsten anlässlich der Filmvorführung „Die Siebentagewoche des Drahtwebers Rolf Piechotta“ von Eckard Garczyk zusammen. Besonders hervorzuheben ist, dass es sich bei der Sammlung des Vereins um eine eigene Initiative des Vereins für Orts- und Heimatkunde Dorsten handelte.

  • Das Team der Prominentensammlung während des Wochenmarktes in der Altstadt freute sich über seinen Anteil von fast 750 Euro.
  • Bei der zentralen Gedenkfeier der Schützenvereine und der Stadt Dorsten am Volkstrauertag in Wulfen wurden über 630 Euro gesammelt.
  • Die Sondersammlung des Vereins für Orts- und Heimatkunde Dorsten brachte knapp 320 Euro ein.
  • Die Ratsmitglieder spendeten weitere 150 Euro.

Für das Riga-Komitee wurden bei der Gedenkfeier zur Reichspogromnacht im Garten des Jüdischen Museums Westfalen rund 600 Euro gesammelt. Die Gelder sollen speziell für Projektarbeit im Rahmen des Beitritts Dorstens zum Riga-Komitee verwendet werden.

„Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, wie viel Engagement und Solidarität unsere Bürgerinnen und Bürger, die Ratsmitglieder und die Schützenvereine zeigen. Jede Spende unterstützt die wertvolle Friedens- und Erinnerungsarbeit des Volksbundes und die Projektarbeit des Riga-Komitees. Dafür danke ich allen von Herzen", sagt Bürgermeister Tobias Stockhoff.

Weitere Informationen sind auf den Internetseiten des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge; dort besteht auch die Möglichkeit, direkt zu spenden, und des Städtebündnis' Riga-Komitee“ zu finden.

Am Mittwoch, den 20. Mai 2026 findet um 19.30 Uhr eine besondere Veranstaltung (Lesung und Gespräch) zum Riga-Komitee im Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten statt. 

Foto und Pressemeldung: Stadt Dorsten

Ein Land voller Massengräber und kaum jemand, der noch einen Kaddisch sagen kann: Auf den Spuren der Shoah in Lettland

Im September 2024 unternahmen Mitarbeitende der Gedenkstätten sowie Mitglieder des Gedenkstättenvereins und MultiplikatorInnen aus dem Osnabrücker Raum und Berlin vom 26. August bis 1. September 2024 eine Reise nach Litauen und Lettland zu Orten der Shoah im Baltikum. Die Reise erfolgte im Rahmen der Ausstellung "Der Tod ist ständig unter uns. Die Deportationen nach Riga und der Holocaust im deutsch besetzten Lettland", die vom 7. April bis 1. September 2024 in der Gedenkstätte Augustaschacht zu sehen war. Die Autorin war eingeladen worden, an dieser Reise teilzunehmen. Sie stellt uns ihren Bericht für diese Veröffentlichung kostenfrei zur Verfügung.

Am 13. Dezember 1941 wurden 35 Osnabrückerinnen und Osnabrücker gezwungen, in einen Zug zu steigen, der sie in mehrtägiger Fahrt nach Riga in Lettland brachte. Sie selber kannten das Ziel nicht. Ihren Besitz mussten sie zurücklassen. Fünfzig Kilo an Gepäck waren alles, was sie mitnehmen durften, und auch wurde ihnen bei der Ankunft weggenommen, als sie mit Eisenstangen aus dem Zug in die eisige Kälte von minus 30 bis 40 Grad geprügelt wurden. Kleine Kinder und alle, die den weiten Weg in das Ghetto nicht schafften, wurden gleich ermordet. „Keiner von uns hat geglaubt, dass so viel Sadismus möglich war“ – dieser Satz stammt von Ewald Aul, einem der fünf Osnabrücker Überlebenden dieser Deportation, später langjähriger Vorsitzender der Jüdischen Nachkriegsgemeinde in Osnabrück.

Diese Reise war nicht leicht, manche Eindrücke nur schwer zu verkraften Es war eine Reise auf den Spuren von Massenmorden, die auch emotional belastete, und dennoch eine Reise mit vielen wertvollen Begegnungen mit Menschen, die sich dafür engagieren, die Menschen, die diesen Morden zum Opfer fielen, der Vergessenheit zu entreißen, wo das noch möglich ist, und ihnen dadurch ihre Würde zurückzugeben. Unter diesen Ermordeten, für die niemand das Kaddisch, das jüdische Totengebet, sprach, sind 30 Osnabrückerinnen und Osnabrücker. Drei davon, die Geschwister Edith, Carl und Ruth-Hanna Stern, waren noch kleine Kinder.

Am 31. Juli 1941 wurde der Leiter des Reichssicherheitshauptamts, Reinhard Heydrich, von Reichswirtschaftsminister Hermann Göring mit der Vorbereitung der Endlösung der Judenfrage beauftragt, der systematischen Ermordung aller europäischen Juden. Im Oktober 1941 ordnete Hitler die Deportation der jüdischen Bürgerinnen und Bürger aus dem Reichsgebiet an. Sie wurden in Transporten von je 1.000 Personen in die Ghettos Lodz in Polen, und Minsk in Belarus, Kaunas und Vilnius in Litauen und das lettische Riga gebracht.

In den Ländern der ehemaligen Sowjetunion wurde der Holocaust über Jahrzehnte verdrängt und tabuisiert. Neue Verbrechen durch das stalinistische Regime überlagerten die Erinnerung an die deutsche Besatzung und die Verfolgung von jüdischen Menschen und anderen Bevölkerungsgruppen. Für die Sowjetunion gab es keine jüdischen Opfer und damit auch keinen Holocaust. Die Ermordeten waren alle Sowjetbürgerinnen und -bürger. Es ging um Heldengedenken, alle Toten galten gleichermaßen als „Opfer des Faschismus“. Die Erinnerung an die massive Beteiligung der einheimischen Bevölkerung an den Morden wird den Litauern und Letten auch heute kaum zugemutet.