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Dank an Spendensammlerinnen und -sammler des Volksbundes NRW im Landtag NRW: Mehr als 100 Ehrenamtliche durften im Plenarsaal Platz nehmen. (© D. Behmenburg)
„Sie sind die Botschafter des Friedens“
Dank an Spendensammlerinnen und -sammler im Landtag Nordrhein-Westfalen
Düsseldorf/Essen. Am 23.9.2025 waren rund 100 Ehrenamtliche aus ganz Nordrhein-Westfalen auf Einladung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in den Landtag von Nordrhein-Westfalen gekommen. Landtagspräsident André Kuper und der Landesverbandsvorsitzende des Volksbundes, Thomas Kutschaty, bedankten sich bei den Anwesenden für ihr Engagement. Ihr Dank galt stellvertretend allen Sammlerinnen und Sammlern in NRW, die sich 2024 für den Volksbund engagiert hatten. Gleichzeitig riefen sie zur Unterstützung der kommenden Haus- und Straßensammlung des Landesverbandes des Volksbundes auf, die vom 15. Oktober bis 30. November 2025 stattfinden wird, und baten die anwesenden Sammlerinnen und Sammler, ihr Engagement auch in diesem Jahr fortzuführen.
Landtagspräsident André Kuper begrüßte die Sammlerinnen und Sammler des Volksbundes im Plenarsaal des Landtags NRW, in der „Herzkammer der Demokratie“. Sie unterstützten als ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger die wichtige humanitäre Arbeit des Volksbundes. Ihr Einsatz sei auch weiterhin vonnöten, um die Pflege der Kriegsgräberstätten im Ausland, die Bergung und Bestattung von Toten und die überaus wichtige Bildungsarbeit fortzuführen. Kriegsgräberstätten seien stille Zeugen und Mahnmale für den Frieden. Als Sammlerinnen und Sammler gäben sie dem Volksbund ein Gesicht im Land. Er danke ihnen stellvertretend für alle Sammlerinnen und Sammler des Volksbundes im Namen des Landesparlamentes und des ganzen Landes für ihren Einsatz und hoffe sehr, dass sie das Engagement für die humanitären Aufgaben des Volksbundes auch weiterhin fortsetzten.
Die geehrten Sammlerinnen und Sammler aus der Bundeswehr, dem Reservistenverband und dem zivilen Bereich, darunter Schülerinnen und Schüler der Maximilian-Kolbe-Gesamtschule Saerbeck und Auszubildende der Bezirksregierung Münster, nahmen Dankurkunden und Buchgeschenke für ihr Engagement in Empfang. Insgesamt hatte die Haus- und Straßensammlung im Oktober/November 2024 die Summe von 471.700 € erbracht. Darunter erzielten die Sammlerinnen und Sammler der Bundeswehr allein 138.784,33 €; die Sammler des Reservistenverbandes 57.697,55 €. General Hans-Dieter Müller, Chef des Landeskommandos NRW der Bundeswehr, und Oberstleutnant d.R. Hans-Peter Limburg, Landesgruppe NRW des Reservistenverbandes, übergaben symbolische Schecks an Thomas Kutschaty und André Kuper.
In seiner Rede bedankte sich Thomas Kutschaty für die langjährige Gastfreundschaft des Landtags NRW und wandte sich an die Anwesenden: „Ihre ehrenamtliche Sammlungstätigkeit, und damit Ihre Unterstützung dieser humanitären Arbeit des Volksbundes, ist ungemein wichtig und verdient großen Respekt. (…) Sie alle haben gemeinsam einen großen Beitrag für den Volksbund gesammelt und sind gleichsam Botschafter der Friedens- und Versöhnungsarbeit des Volksbundes (…). Ihr teilweise über Jahrzehnte hinweg andauerndes Engagement für den Volksbund ist bewundernswert. (…) Wir sind Ihnen für die tatkräftige Hilfe außerordentlich dankbar.“
Er erinnerte daran, „dass gerade der Krieg in der Ukraine uns zeigt, wie notwendig die Erinnerungs- und Verständigungsarbeit des Volksbundes ist. Nirgendwo werden die Folgen des Krieges deutlicher als auf Kriegsgräberstätten. Wenn wir vor hunderten, tausenden oder zehntausenden Gräbern stehen, wird uns erst richtig bewusst, was Krieg wirklich bedeutet. Die Gräber der Kriegstoten – sowohl die der Deutschen als auch diejenigen anderer Nationen, die von den Weltkriegen betroffen waren, – sind sichtbarer Anlass, sich die Ursachen von Krieg ins Gedächtnis zu rufen, sich der Folgen bewusst zu werden und sich über die Bedingungen für den Frieden auszutauschen – über Grenzen hinweg. Generationen auf allen Seiten der ehemaligen Kriegsgegner wurden durch die Kriegshandlungen und die Erfahrungen zwischen 1939 und 1945 und ihre Folgen geprägt und traumatisiert. Menschen in ganz Europa suchen auch 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges noch nach vermissten oder verstorbenen Verwandten; dabei hilft ihnen auch der Volksbund.“
Er hoffe, dass die Sammlerinnen und Sammler den Volksbund auch bei seiner kommenden Sammlung, vom 15.10. bis 30.11.2025 unterstützen.
Ein Land voller Massengräber und kaum jemand, der noch einen Kaddisch sagen kann: Auf den Spuren der Shoah in Lettland
Im September 2024 unternahmen Mitarbeitende der Gedenkstätten sowie Mitglieder des Gedenkstättenvereins und MultiplikatorInnen aus dem Osnabrücker Raum und Berlin vom 26. August bis 1. September 2024 eine Reise nach Litauen und Lettland zu Orten der Shoah im Baltikum. Die Reise erfolgte im Rahmen der Ausstellung "Der Tod ist ständig unter uns. Die Deportationen nach Riga und der Holocaust im deutsch besetzten Lettland", die vom 7. April bis 1. September 2024 in der Gedenkstätte Augustaschacht zu sehen war. Die Autorin war eingeladen worden, an dieser Reise teilzunehmen. Sie stellt uns ihren Bericht für diese Veröffentlichung kostenfrei zur Verfügung.
Am 13. Dezember 1941 wurden 35 Osnabrückerinnen und Osnabrücker gezwungen, in einen Zug zu steigen, der sie in mehrtägiger Fahrt nach Riga in Lettland brachte. Sie selber kannten das Ziel nicht. Ihren Besitz mussten sie zurücklassen. Fünfzig Kilo an Gepäck waren alles, was sie mitnehmen durften, und auch wurde ihnen bei der Ankunft weggenommen, als sie mit Eisenstangen aus dem Zug in die eisige Kälte von minus 30 bis 40 Grad geprügelt wurden. Kleine Kinder und alle, die den weiten Weg in das Ghetto nicht schafften, wurden gleich ermordet. „Keiner von uns hat geglaubt, dass so viel Sadismus möglich war“ – dieser Satz stammt von Ewald Aul, einem der fünf Osnabrücker Überlebenden dieser Deportation, später langjähriger Vorsitzender der Jüdischen Nachkriegsgemeinde in Osnabrück.
Diese Reise war nicht leicht, manche Eindrücke nur schwer zu verkraften Es war eine Reise auf den Spuren von Massenmorden, die auch emotional belastete, und dennoch eine Reise mit vielen wertvollen Begegnungen mit Menschen, die sich dafür engagieren, die Menschen, die diesen Morden zum Opfer fielen, der Vergessenheit zu entreißen, wo das noch möglich ist, und ihnen dadurch ihre Würde zurückzugeben. Unter diesen Ermordeten, für die niemand das Kaddisch, das jüdische Totengebet, sprach, sind 30 Osnabrückerinnen und Osnabrücker. Drei davon, die Geschwister Edith, Carl und Ruth-Hanna Stern, waren noch kleine Kinder.
Am 31. Juli 1941 wurde der Leiter des Reichssicherheitshauptamts, Reinhard Heydrich, von Reichswirtschaftsminister Hermann Göring mit der Vorbereitung der Endlösung der Judenfrage beauftragt, der systematischen Ermordung aller europäischen Juden. Im Oktober 1941 ordnete Hitler die Deportation der jüdischen Bürgerinnen und Bürger aus dem Reichsgebiet an. Sie wurden in Transporten von je 1.000 Personen in die Ghettos Lodz in Polen, und Minsk in Belarus, Kaunas und Vilnius in Litauen und das lettische Riga gebracht.
In den Ländern der ehemaligen Sowjetunion wurde der Holocaust über Jahrzehnte verdrängt und tabuisiert. Neue Verbrechen durch das stalinistische Regime überlagerten die Erinnerung an die deutsche Besatzung und die Verfolgung von jüdischen Menschen und anderen Bevölkerungsgruppen. Für die Sowjetunion gab es keine jüdischen Opfer und damit auch keinen Holocaust. Die Ermordeten waren alle Sowjetbürgerinnen und -bürger. Es ging um Heldengedenken, alle Toten galten gleichermaßen als „Opfer des Faschismus“. Die Erinnerung an die massive Beteiligung der einheimischen Bevölkerung an den Morden wird den Litauern und Letten auch heute kaum zugemutet.