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Erich Ruschkewitz

Erich Ruschkewitz

Erich Ruschkewitz wird am 16. Juli 1904 in Bütow/Hinterpommern, dem heutigen Bytów etwa 100 Kilometer westlich von Danzig, geboren. Über seine Biografie ist wenig bekannt.

Nach dem Umzug der Familie in die „Freie Stadt Danzig“ im Jahr 1915 verbringt Erich Ruschkewitz hier fast sein ganzes Leben. Er besucht das Gymnasium in Danzig und nimmt ab 1923 mit politischen und satirischen Gedichten, Rezensionen, Rundfunkkommentaren sowie lokalen Reportagen seine publizistische Tätigkeit auf. Seine Beiträge erscheinen vor allem in der Danziger Rundschau und in der Danziger Volksstimme, später auch in der Satirezeitung Das Stachelschwein oder im Simplicissimus. Nur wenige Schriftsteller Danzigs treten so wie er für die deutsch-polnische Verständigung ein. 1929 erscheint sein Gedichtband „Adlers Brauhaus bis Leichenschauhaus". Erich Ruschkewitz bricht mit der Tradition der romantisch verklärten Stadtdarstellung, die seit Joseph von Eichendorf den Blick auf Danzig bestimmt. In seinen Dichtungen werden die Randständigen, die Außenseiter, wird das Unangenehme, das Hässliche und Verzweifelte ins Zentrum der Wahrnehmung gerückt. Arbeitslose, Gefangene, Kriminelle, Homosexuelle und Prostituierte bevölkern seine Gedichte, die zuweilen an Kurt Tucholsky und Erich Kästner erinnern.

Die einzige längere Abwesenheit aus Danzig ist ein nicht genau rekonstruierbarer Aufenthalt in Berlin von Oktober 1925 bis zum Herbst 1926.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten gewinnt für Erich Ruschkewitz seine jüdische Identität zunehmend an Bedeutung, die sich bis dahin in seinem Werk kaum widerspiegelt. Er beteiligt sich aktiv am Leben der Jüdischen Gemeinde, wird Geschäftsführer des Jüdischen Clubs und übernimmt 1939 die Redaktion des Jüdischen Gemeindeblattes. Trotz des nach November 1938 gefassten Beschlusses der Gemeindemitglieder zur geschlossenen Auswanderung nach Palästina bleibt Ruschkewitz in Danzig, wird 1940 Mitglied der „Transportleitung“, die die Auswanderung der jüdischen Gemeinde Danzig organisiert. Seine letzte bekannte Anschrift in Danzig ist in der Mausegasse 7. 

Ab Hamburg sollte am 4. Dezember 1941 eine Deportation mit 750 Hamburger Juden, 44 Juden aus Lüneburg, 136 Juden aus Kiel und Lübeck sowie 75 Juden aus Danzig nach Minsk erfolgen. Vermutlich aufgrund der Eisenbahnlage in Weißrussland wird dieser Transport schließlich nicht nach Minsk, sondern mit Abfahrtsdatum 6.12. in das Getto von Riga geleitet.
Am 7. Dezember 1941 wird Erich Ruschkewitz mit anderen jüdischen Menschen in diesen Zug genötigt. Insgesamt werden 974 jüdische Menschen mit diesem Transport nach Riga deportiert, wo sie zwei Tage später ankommen und sich die Spur von Erich Ruschkewitz verliert.